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Friday, August 18. 2006Gäste des Lebens
18.08.06 Dar es Salaam
„wieso simmer eigentlich uf dere welt? Wieso und für was lebet mir?“ Fragen eines guten Kardes die mich, seit ich sie gelesen habe, begleiten. Natürlich schweben sie einem immer wieder vor und lassen uns Menschen immer wieder verzweifeln. Manche finden für sich eine Antwort, manche eben nicht. Manche können mit der Unwissenheit leben, manche eben nicht - manche stellen sich erst gar keine Fragen. Man nennt sie glückliche Menschen. Was ist Glück und ist es ein Privileg sich solche Fragen überhaupt stellen zu können? Ich fahre Tag für Tag durch die Strassen von Dar es Salaam, in unserem AC-gekühlten Jeep. Geniesse mein kurz zuvor gestrichenes Honigbrot mit Schinken (jaja, ääää igitt - aber schfein) und lasse die aufgehende Sonne auf mich wirken. Vielleicht läuft gerade U2 mit „a beautiful day“. Meine Gedanken schweifen umher, da ist mal einfach nur die Scheibe vor meinen Augen, dann Bilder von einer Autobahn, ein israelischer buntgemischter Garten, mein grüner Garten zu Hause, die Abschiedsparty, Gesichter und Gespräche, vergangene Zeiten holen mich ein und lassen die Fahrt zu einem wunderschönen Tagestraum werden - holper holper - da ist mein Honigbrot schon auf dem Boden, verdammt. Aber was solls, hab ja noch mein Bounty dabei und zudem hab ich mir sowieso vorgenommen früher aufzustehen. „Pole pole„ - ein ruhiger Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. Da sitze ich mit knurrendem Magen. Fokusiere meinen Blick auf das Hier und Jetzt, spüre die aufkommende Intensität meiner Neugier, meiner Gier nach aufregendem, nach neuen Geschichten, Erlebnissen, vielleicht einer Schlägerei, aber auch nach einem wunderschönen Bild, einer strahlenden Frau, erleuchtet von den ersten Sonnenstrahlen. Ein Blick, eine Ampel auf Rot, das Auto steht still, die Zeit ebenfalls. Vielleicht kurze Verlegenheit, doch dies Vertraute lässt einen vergessen, der Blick wird zum Liebesblick, aber nicht Liebe auf den ersten Blick. Ein Trottoir und eine Fensterscheibe, ein Moment für die Ewigkeit? Denkste, weiter geht’s purer Lebenstraffic. Keine Zeit für Liebesspiele, aber aber, wird Liebe mit Zeit gewogen? Das Gefühl bleibt, das Gefühl irgendwann jemandem zu begegnen ... ? Es ist nicht immer einfach, sich zwischen Honig oder Strawberry, Ham oder Turkey zu entscheiden. Das Leben kann wirklich hart sein, so hart, dass man ab und zu halt einfach alles mixt. Birchermüesli. Geschmackslosigkeit. Bin wahrlich ein Luftibus, ein Gourmet für das Unscheinbare, dessen ich mir scheinbar nicht im Klaren bin. Wer schon... Hab mal nen guten Satz gehört von einem hohen Tier - Bankdirektor war er, der seinen Job aufgegeben hat, mit seiner Frau nach Mexiko ausgewandert ist, um dort ein Hotel irgendwo an der menschenleeren mexikanischen Küste von Bahia California ein Hotel zu bauen. Ob er erfolgreich geblieben ist? Nein, nicht wirklich. Er musst einst sogar Freunde, nicht seine Besten, um Geld bitten, damit sie durchkamen. Jetzt hat er ein schönes Hotel. Ob er glücklich ist? Keine Ahnung. Um diese Geschichte zu schliessen: Er hat mir folgend Satz gesagt, der seit meiner Ankunft hier in Dar immer mehr Bedeutung gewonnen hat - „du musst in deinem Leben nicht vieles Tun. Fängst du aber mit etwas an, so gib alles was du hast.“ Man sollte diesen Satz vielleicht noch weiterführen mit: ... Wenn du weißt, dass es das Richtige für dich ist. DAS RICHTIGE. Was ist das Richtige für einen? Wie findet man das heraus? Kann man es überhaupt herausfinden? Ich habe es nicht herausgefunden, aber ich spüre und bin vollkommen überzeugt (vergleichbar mit einem Glauben), dass ich die Richtige Entscheidung getroffen habe. So überzeugt von diesem Schritt, dass ich mit mir durch dick und dünn gehen werde. Ich bin es mir momentan Wert.Klar, es gibt schon immer wieder Zweifel und es werden sicherlich noch viele viele harte Prüfungen auf mich warten, aber ich lasse es auf mich zukommen - soviel zum Luftibus. Ja, vielleicht sind wir dazu da, einfach unseren Weg zu gehen. Bekanntlich ist er voller Gefahren und vielen Verlockungen. Kürzlich haben wir über die Aufgabenteilung gesprochen. Ich bin verantwortlich für das Budget. Frage ich die anderen beiden, ob sie mir vertrauen, fragt Tamara rhetorisch geschickt: Vertraust du dir denn selber? Vertraut ihr Euch? Verdammt, nein, für das kenne ich meine Schwächen zu gut. Aber solange ich mir meiner Schwächen bewusst, meinen Selbstlügen gegenüber aufrichtig bin und meistens ohne Verachtung in den Spiegel schauen kann, fällt es mir auch nicht schwer über mich, Gott und das Leben zu lachen. Alles kann relativ sein, hängt ganz davon ab, wie man die Dinge betrachtet. Sicherlich ist mehrperspektivisch von Vorteil, solange man die Auswahl hat. Aber eben, ein Honigbrot mit Schinken auf weissem Toast kann genau so gut sein wie ein Frenchtoast mit Honig und Schinken auf braunem Toast. Der Ängstliche hat Probleme sich zu Entscheiden, weil er Angst hat, etwas zu verpassen ... oft bin ich noch ängstlich ... Die Menschen hier kennen keine solche Angst. Es gibt Menschen, die behaupten, dass wir vor der Zeugung als Seelen einen möglichen Lebensweg aussuchen, welcher bestimmte Aufgaben für uns bereit hält. Deren Bewältigung lässt uns Wachsen, lässt uns Waise und Souveräner werden, auf der Leiter Richtung "Nirvana, Erlösung" usw. emporsteigen. Ich bin einer jener, die diese Ansicht mehr oder weniger teilt, aber auch immer mehr in Frage stellt. Ich frage mich zum Beispiel, warum gewisse Seelen solche Schicksale wählen würden. HIV-Infizierte Kinder kommen auf die Welt, viele Menschen müssen schreckliche Dinge über sich hergehen lassen, leiden ein Leben lang. Menschen, die überhaupt keine einzige Perspektive haben - man sieht ihnen in die Augen und erschrickt ob dem bedeutungslosen Blick - sicherlich kein Liebesblick. Die Ampel steht auf Standby. "Afrika, wo gehst du hin?" hat ein junger Mann in einem aufwühlenden Theaterstück letzten Samstag gefragt. Mit einem sehr ernsten, beinah Angst einflössenden Blick. Habe ihn dann später, er spielte gerade Schlagzeug auf Blechdosen, angesprochen. Er sprach kein Englisch. Ich sagte ihm: Habari gani (was lauft?) er lachte und sagte Nzuri (alles gut) und fragte mich: Habari gani? Ich antwortete mit Salama (fühle mich ruhig). Und er lachte wieder herzlich. In diesem lachen und v.a. in seinen glänzenden afrikanischen Augen war jene Hoffnung zu erkennen, die Afrika auf den richtigen Weg bringen soll. So jedenfalls habe ich es gesehen. Wir hielten uns während diesem kurzen Austausch die Hände, ja man hält sich hier gegenseitig ziemlich lange die Hände (während der ganzen Grussformel, welche teilweise eine oder mehrere Minuten gehen kann) und für mich Europäer, der um seine Intimhzone stets besorgt ist, fast ein bisschen zu lange. Aber man gewöhnt sich. Wollte eigentlich über die Projekte, über die Schulen und Menschen, mit welchen wir in Kontakt sind, schreiben. Irgendwie bin ich abgeschweift. Ach ja, warum sind wir hier? Sicherlich nicht, um ein schlechtes Gewissen zu haben. Einen Satz, den ich mal gelesen habe, möchte ich hier als Schluss brauchen (möge er nicht als missbraucht angesehen werden „Wir sind Gäste des Lebens“. Nicht mehr und nicht weniger. Asante sana. Monday, July 31. 2006Kwa heri Rafiki!
Feste sollen gefeiert werden. Mein Abschiedsfest wurde gebührend gefeiert. Es waren meine liebsten Menschen zugegen. All jene, die es mir überhaupt erst ermöglichten bis hierher zukommen. Einige habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen. Sieht man sich dann wieder, so ist es, als hätte es diesen Unterbruch gar nie gegeben. So viele Geschichten, so viele Erfahrungen, realistische und noch viel mehr utopische Träume, Gespräche, Gedanken, Hoffnungen und Ideen haben wir geteilt und erlebt. Hoffentlich werden wir noch weitere unvergessliche (unter dem) Tischgespräche, Tequillareunions, Namenspiele und v.a. zerreissende Lachmomente erleben. Nun ja, man weiss das ja schliesslich nicht und um so mehr schätze ich was ich mit Euch letzten Samstag, den 29.07.06 bis tief in den grün-grauen-Morgen nochmals erleben durfte.
![]() 35 verschiedene Wege, Schicksale oder was auch immer, trafen sich, weil einer von ihnen für ein Jahr in ein fremdes Land reist. Da wir ja alle ein Inselleben führen, schlussendlich jeder für sich alleine ist, sind solche Anlässe einfach schon super schön. Man fühlt sich so geborgen, so getragen von Familie und Freunde - Festland unter den Füssen. Ja, fühlte und fühle mich (daher auch diese melancholischen Anflüge) echt mit Euch verbunden. Wendepunkt - stehe vor einer Kreuzung in meinem Leben und weiss, dass ich den für mich richtigen Wege gewählt habe - egal was kommen mag. Für einige von Euch bedeutet dies ebenfalls Wendepunkt. Ab und zu müssen sich die Wege einfach trennen. Neue Wurzeln schlagen, sich von neuen Menschen beeinflussen lassen, sich verlieren, um sich hoffentlich ein wenig anders wieder zu finden usw.. Bin ja mächtig gespannt auf die Begegnungen mit Euch, wenn ich wieder zurück bin. So, bin schon wieder in Partylaune - habe lust auf Tequilla verdammt. There is something about Tequilla (kennt eigentlich öper de Tequilla Barnetta oder de Kamerunisch Fuessballer Roger Tequilla?). Okey okey. Möchte mich an dieser Stelle einfach nochmals bei Euch bedanken. V.a. möchte ich mich bei meinen Eltern bedanken. Ja, v.a. ihr seit es, die mir dies alles ermöglicht haben. So viel Liebe (teilweise schon fast zu viel Mami) habe ich wohl gar nicht verdient. Aber tausend Dank. Und deine Unternehmungslust Papi, sowie meine Ungarischen Wurzeln sind wohl Gründe dafür, warum in mir ein kleiner Nomade lebt. Dieses Vertrauen und auch das Wissen und spüren, dass ich viele wunderbare Freunde habe, die mich lieben und die ich ebenfalls lieben darf ... das gibt mir wirklich ein grosses Selbstvertrauen. Danke danke danke. Kwa heri Rafiki! Vielleicht sieht man sich ja mal in Tansania hahahahaha, ansonsten bis zur Habari-gani-Rafiki-party im Sommer 2007. Euer Wegbegleiter und Tequilla-Meister. Domi alias Steven o'shear Safari njema!
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